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Denn kein halbes Hundert Gäste versammelte sich zu dem Konzert, bei dem offiziell der Maichinger Reit- und Fahrverein als Veranstalter firmierte. Dabei wäre das halbe Hundert noch einmal um die Hälfte eingedampft gewesen, wenn nicht Freunde und Bekannte Weinrichs dem Ruf in die Festhalle gefolgt wären. Freilich, ohne sehr persönliche Beziehungen hierher hätte der Wiener Jazzgeiger in Maichingen vorerst wohl keinen einzigen Strich getan. Den Auftritt fädelte das Maichinger Reit- und Fahrvereinmitglied Natalie Lauster ein, die heute als Weinrichs Frau bei Wien lebt.
"Betrachten wir das als Privatparty und machen uns einen schönen Aben d", formulierte Weinrich unverzagt das Konzertmotto, nachdem er den Publikumsandrang auf Magerstufenquantität realisiert hatte. Ein schöner Abend wurde es denn auch, und zuletzt kam sogar Privatpartystimmung auf. Mit der Schlussnummer "Bye, bye Blackbird" fungierte Weinrich die erst schüchtern, dann artig mittuende Zuhörerschaft in einen Refrainchor um.
Wenn derartiges Publikumsgaudium im Jazz veranstaltet wird, handelt es sich freilich meist um Bands mit musikalischer Minderleistung, die mit Gags die engen Kompetenzgrenzen erträglicher gestalten müssen. Dies allerdings war bei Weinrich und Band alles andere als der Fall. Mit zwei, drei Werken von Django Reinhardt und ansonsten jeder Menge Jazz- und Swingstandardhits von "Autumn Leaves" über "Someday my Prince Will Come" bis zu "Black Orpheus" zeigte nicht nur Weinrich, sondern auch die Band mit den Sologitarrist Raklo Weinrich und Buko Weinrich an der Rhythmusgitarre und Kontrabasser Milan Nikolic eine Tempohärte, die nicht allzu viele Jazzer haben. Die große Mehrheit dürfte dagegen schon weit davor in weit behäbigeren Bereichen am Ende ihrer Kunst sein.
Allerdings war bei diesem Abend längst nicht alles bloße Tempobolzerei. Weinrich an der sehr weich, elektrisch-artifiziell klingenden Violine strich aus der Geige prima swingiges Feeling, verriet in Impros Informiertheit über Bop und Modern Jazz und Sinn für Melodik, gewisse Frech- und Freiheiten inbegriffen, wie man sie von einem Grappelli beispielsweise nicht kennt. Dazu kommt eine Spezialzupftechnik, bei der die Violine in Gitarrenhaltung wie eben eine - durchaus ernst zu nehmende - Gitarre gespielt wird.
An Virtuosität ließen sich indes Weinrichs Gitarristen nicht die Butter vom Brot durch die Geige nehmen. Nicht gar so fix, dennoch als tüchtiger Solierer erwies sich selbst Bassmann Nikolic.
Kurzum: Zu solchen musikalischen Privatpartys bekäme man gerne öfters eine Einladung. Selbst wenn wie in Maichingen die Soundmischung nicht durchgängig optimal ist.
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